Liebesstrahl Gottes

Hab Mut anders zu sein

Der erste Schultag. Ich erinnere mich noch verschwommen daran. Ich, gerade sieben Jahre, mit zwei Zöpfen und einer großen Schultüte. So unschuldig, so nichtsahnend. Was wie ein spannender neuer Abschnitt klang, war eigentlich ein Wurf ins kalte Wasser. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Es gab so viel Neues um mich herum. Ich hörte Worte und sah und fühlte Dinge, die ich vorher noch nie erfahren hatte. Und mit der Zeit wurde mir klar, dass ich anders war. Und nicht nur ein bisschen. Nein, ganz und gar anders. Weil ich aus einer christlichen Familie kam, wo in jeder Hinsicht andere Werte gelebt wurden. Und auch wenn ich mein Leben liebte, so machte mir die Schulzeit doch zu schaffen. Denn alles was ich dann wollte war – in der Masse zu verschwimmen. Aufzufallen war anstrengend. All die Blicke, all die Fragen. Ich war ein Kind. Ich hasste es anders zu sein. Andere Klamotten, andere Erziehung – ich hatte einfach ein komplett anderes Lebensbild. Gemocht von allen und doch ein Außenseiter. Ich kannte die Antworten zu meinem ANDERS SEIN, und doch waren sie mir zu groß. Weil ich so klein war und mich auch klein fühlte.  

Dann wurde ich älter. Doch es wurde nicht einfacher. Im Gegenteil. Die Fragen wurden schwieriger. Der Druck größer. Und ob ich es wollte oder nicht, ich musste mich damit auseinandersetzen wer ich sein wollte und welche Überzeugung ich lebte. Meine oder die der Anderen?

Ja ich wuchs in einer christlichen Familie auf, mir wurde der Glaube vorgelebt und ich ging jeden Sonntag in die Kirche – und doch sagte diese Tatsache nichts über mich aus. Meine Erziehung, mein Lifestyle und mein “Anders Sein”, machten noch lange keine echte Christin aus mir.

Heute bin ich sehr froh, dass ich mich schon früh auf die Suche nach meiner Bestimmung begeben hatte. Ich hinterfragte ALLES. Ganz besonders die Regeln und Traditionen, mit denen ich aufgewachsen war. Doch in einer Sache gab es für mich keinen Zweifel: Gottes Existenz. Ich war davon überzeugt dass die Bibel sein Wort an uns war, und dass er Interesse an meinem persönlichen Leben hatte. Ich spürte seine Liebe zu mir. Ich spürte seine Nähe. Und auch wenn mir damals vieles noch nicht klar war, lud ich Gott ein in mein Leben zu kommen. Und ab diesem Punkt begann die wirklich spannende Reise. Ich begann meine Überzeugungen zu leben. Weil Gott mich Dinge verstehen ließ. Weil Gott mich von innen heraus veränderte. 

Desto mehr ich mich mit der Bibel beschäftigte und von Jesus las. Desto mehr bemerkte ich, dass Jesus der Inbegriff von “Anders sein” war. Jesus faszinierte mich. Er wusste wer er war -der Sohn Gottes- und welchen Auftrag er zu erfüllen hatte. Er begegnete den Menschen mit Liebe, doch er stand immer für die Wahrheit gerade. Er redete den Menschen nicht um den Mund, denn es ging ihm nicht um Anerkennung und Akzeptanz. Er war wer er war und er gab jedem Menschen die Chance ihn kennenzulernen. Danach lag es bei den Menschen ob sie ihn liebten oder hassten.

Jesus ist mir in allem das größte Vorbild. Und auch in der Hinsicht des “Anders seins” hat mir ein Blick auf ihn immer wieder Mut und Kraft gegeben. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Johannes 15:18-19: Wenn die Welt euch haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum haßt euch die Welt.

Wenn man seinen Glauben und seine Überzeugung lebt und vertritt, dann wird es immer mehr Menschen geben, die einen hassen als einen lieben. Doch lieber gehasst für das was man ist, als geliebt für das was man nicht ist.

Als ich diese Wahrheit verinnerlichte, fiel es mir plötzlich einfacher anders zu sein. Und ich rede nicht von Kleidung oder Traditionen und Kultur. Ich rede von dem Mut seine Überzeugung und seinen Glauben auszuleben. Für die Wahrheit aufzustehen. Lieber zu gehen als zu bleiben, wenn man sich plötzlich in falscher Gesellschaft fühlt. Zu schweigen anstatt zu lästern. Lieber Nachteile in Kauf zu nehmen, als zu lügen. Seine Grenzen zu kennen und diese auch einzuhalten. Anders zu sein, bedeutet mutig zu sein. Und sein “Anders sein” leben, kann man nur wenn man überzeugt ist von dem was man tut. Denn es gibt kein besseres Gefühl als zu wissen wer man ist, woran man glaubt und wohin man geht. Denn selbst wenn keiner mit einem geht, weiß man dass man auf dem richtigen Weg ist. Und auf diesem Weg geht Gott mit einem.

Damals wollte ich sein wie alle anderen. Heute bin ich froh dass ich es nicht bin.

Wieso? Weil ich weiß dass ich etwas habe, was mir niemand nehmen kann. Ich kenne meine Identität. Ich schätze mich sehr glücklich ein Kind Gottes zu sein. Und diese Tatsache macht mich frei von der Meinung anderer. JA ICH BIN ANDERS und heute stehe ich ganz fest hinter meinem anders sein.

Nicht jeden Tag fällt mir das so einfach wie heute, manchmal ist es auch wahnsinnig schwer anders zu sein als der Rest der Welt. Gerade wenn man als verkorkst, altmodisch und verrückt erklärt wird. Doch dann schau ich wieder auf Jesus und höre wie er mir zuruft:

Hab Mut anders zu sein!

Loading Likes...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*