Gott & Ich

Entwurzelt

Ich sehe mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum. Entrissen. Entwurzelt. Versetzt an einen anderen Wasserbach. Weit weg von Bach an dem ich aufgewachsen bin. Weit weg von der Erde in der ich meine ersten Wurzeln schlug. Weit weg von den fest gegründeten, starken Bäumen, die mich mein Leben lang umgaben. 

Das sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum. Entrissen. Entwurzelt. Versetzt an einen anderen Wasserbach. Meine Wurzeln immer noch am Bluten. Meine Rinde immer noch am weinen. Meine Blätter, von Sehnsucht verweht. 

Da sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum, doch nicht besonders gross. Meine verletzten Wurzeln pressen sich in die Erde um etwas Halt zu finden. Doch desto stärker sie es versuchen, desto mehr Druck entsteht. Desto mehr Druck, desto größer der Schmerz. Meine Rinde, wieder am weinen.

Da sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum, der gegen den starken Wind kämpft. Der Wind, so ungnaedig stark. Ich frag ihn ob er denn nicht Mitleid hat ? ! Keine Antwort. Ich strecke meine Äste hin zu den Höhen, von wo meine Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. 

Da sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum. Der Wind ist gestillt. Friede durchweht meine Baumkrone. Ich schaue auf mich herab. Die Wurzeln fangen langsam an zu heilen. Ich weiss, dass es dauern wird bis ich wieder Wurzeln schlagen kann, doch das ist in Ordnung. Ich werde wieder wachsen, werde wieder blühen, doch es braucht Zeit. 

Da sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum. Getränkt mit der Liebe meines Schöpfers. Entrissen, versetzt, doch nicht gebrochen. Entrissen, versetzt, doch trotzdem mit erhobener Krone. Weil ich weiss, das ich stehe, wo er mich sehen will. Weil ich weiss, dass Schmerz nötig ist, wenn ich hoch hinaus wachsen möchte. 

Da sehe ich mich. Da stehe ich. Ein erwachsener Baum. Gepflanzt an der Quelle der Liebe. Die tränende Rinde bereits am trocknen. Weil mein Schöpfer weiss, wo ich am besten wachsen kann. Wo ich am schönsten blühen werde. Wo seine Schönheit in aller Pracht widerspiegelt werden kann. 

Ich stehe wo ich stehe. Etwas wackelig. Doch genau richtig. 

Du stehst wo du stehst. Vielleicht etwas wackelig. Doch genau richtig. 

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HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren. Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Breite deine Güte über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen.
Psalm 36, 6-11

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